7-mal mittwochs: Impuls 4 - 26.03.2025

Und woran glaubst du?
Ich glaube, dass all unsere Gebete und Bitten an Gott erhört werden!
„Wenn ich Gott im Himmel sehen werde, dann frage ich ihn, welche (Aus-)Wirkungen meine Gebete hatten!“ – Dieser Satz von Felix Genn, lange bevor er Weihbischof und dann Diözesanbischof wurde, Anfang der 90er, als er Spiritual und Dozent für Christliche Spiritualität war, begleitet mich seither.
In seiner Vorlesung über das Gebet sprach er von seiner festen Überzeugung, dass jede Bitte an Gott erhört wird und etwas „be-wirkt“.
Dass unsere Bitten und Fürbitten keine „Ich will und du, Gott, machst das dann!“-Rezepte sind, war mir schon früh klar.
Sicher hatten meine beiden Großmütter darauf Einfluss und die Ordensschwester Sr. Marie Pulchra, die den Kindergarten und meine Gruppe leitete. Diese Frauen waren gefühlt „immer am Beten.“ Von ihnen habe ich viele überlieferte Gebete gelernt: die Grundgebete, Kindergebete zur Nacht, fromme Lieder, abends „dem lieben Gott erzählen, wie der Tag war“ und dass man nicht ohne Kreuzzeichen aus dem Haus geht. Später habe ich gelernt, dass das „dem lieben Gott erzählen, wie der Tag war“ schon vor 500 Jahren die Methode war, mit welcher der Heilige Ignatius von Loyola den Alltag seiner Gefährten und im Prinzip jedes gläubigen Menschen im „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ strukturierte. So viel zu meinen betenden Ahninnen, die kluge Frauen waren und ihre Enkelkinder geprägt haben mit dem, was sie getragen und in einem Leben begleitet hat, das für Frauen nicht immer einfach war. In ihrem Glauben und dem täglichen Gebet fanden sie Trost, Rat, Hilfe, Ruhe und die Möglichkeit, Gott zu suchen und zu finden.
Beten hatte und hat immer einen wichtigen und gleichzeitig einen besonderen Stellenwert in meinem Leben:
- Kein Essen ohne kurzen Dank dafür und die Bitte, dass Menschen, die Hunger leiden auch etwas bekommen,
- keine (Auto-)Fahrt ohne die Bitte um gesunde Ankunft oder eine herausfordernde Situation ohne ein kurzes Gebet um Gelingen.
- In der Trauer um geliebte Menschen, nicht im Leid zu verharren, die Trauer zuzulassen und gleichzeitig zu wissen: „Ich bin nicht alleine!“ Jesus als Bruder, Freund, Wegbegleiter ist an meiner Seite.
- In einer Kirche mindestens eine Kerze anzünden und dazu einen kurzen Gedanken an Menschen, Situationen, Herausforderungen ins Gebet nehmen.
- Wenn ich bete, denke ich an die vielen, die mich begleiten und begleitet haben – bewusst und unbewusst –; bitte ich für andere, um Hilfe für andere in Not, Sorge, Leid; denke ich daran, dass Jesus uns alle als Brüder und Schwestern zu Gott bringen will.
Als heranwachsende Frau, Studentin und Berufsanfängerin haben mich Menschen geprägt, die selbst starke Beter*innen waren und berührende Texte verfasst haben, die mich entweder mitgenommen haben, weil zum Ausdruck kommt, was ich fühlte; oder sie haben mir einen Anknüpfungspunkt gegeben, wie ich weiter wachsen kann. Im Gebet lerne und erfahre ich, dass Gott das Gute für uns alle will, dass wir im Glauben und im Leben wachsen, frei werden, seinen Willen zu erkennen und zu tun, damit „Deine [Gottes] gerechte Welt komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ (Mt 6,10)
Das Gebet und die daraus erwachsende Kraft hilft mir, Herausforderungen zu meistern, gelungene Projekte dankbar zu beenden, für das Gute zu danken, was mir geschenkt ist, meine Talente und Charismen zu erkennen und mich damit in Dienst am Aufbau „deiner gerechten Welt“ nehmen zu lassen und um Hilfe in schwierigen Situationen zu bitten, wo meine Kraft zu Ende geht, wo ich keine Lösung sehe und meine Hoffnung klein ist.
Beten bedeutet heute für mich ganz konkret auf Augenhöhe mit Jesus / Gott, Vater und Mutter / der Geistkraft in Kontakt treten:
- im intimen Zwiegespräch
- in der Stille
- beim Eintritt in eine Kirche oder einen Raum mit einer Atmosphäre, die mich einlädt, da zu sein
- beim Innehalten, Zur-Ruhe-Kommen
- beim Krafttanken in der Natur, einem Gebets- oder Meditationsraum
- im Zwiegespräch mit der göttlichen Kraft
- und immer ist Beten etwas, das auch den und die andere mitnimmt: Ich kann nicht für mich alleine beten – klar, ich kann immer beten, wenn ich alleine irgendwo bin; aber es geht nicht, ohne an die anderen zu denken, sie einzubeziehen und „mitzunehmen“
Und dann geht es mir, wie Felix Genn, ich will später auch einmal wissen, was meine Gebete denn so bewirkt haben.